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Chronik der Stadtkapelle Neu-Ulm e.V.

 

Von Damals bis Heute                             

Gründung: 1930                                                       

 

1930-1950  

Ihre Geburtsstunde hat die Stadtkapelle im November 1919 erlebt. Initiator war Stadtpfarrer Jochum, Geburtshelfer der Katholische Arbeitsverein.

Zusammen mit 12 Musikern und Herrn Lachenmayer als Dirigent wurde eine Kapelle unter dem Namen „Kath. Arbeitervereinskapelle“ ins Leben gerufen. Spenden des Arbeitervereins sowie passiver Musikliebhaber ermöglichten die ersten Anschaffungen von Instrumenten und Notenmaterial. Bereits im Frühjahr 1920 zählte die Kapelle 20 Mitglieder.

Die Kapelle hatte es sich zur Aufgabe Gemacht, vor allem „Kirchen- und Gute Konzertmusik zu pflegen“, sowie zu Ostern, Weihnachten und besonderen Anlässen öffentlich aufzutreten. Die alten Protokolle zeugen von ersten großen Erfolgen auf Musikfesten und bei städtischen Veranstaltungen.

1925 wurde die Kapelle anlässlich eines Kameradentreffens des 15. Infanterieregiments mit der Durchführung der drei Tage andauernden musikalischen Darbietungen beauftragt. Diese musikalische Feuerprobe wurde mit außergewöhnlichem Lob bestanden – die Kapelle konnte unter allgemeiner Anerkennung ihren ersten großen Erfolg verbuchen.

In den folgenden Jahren beteiligte sich die Kapelle an verschiedenen Musikfesten und Konzerten und erntete immer großen Erfolg. So errang sie zum Beispiel im Jahr 1927 beim Wertungsspiel in Vöhringen den 1. Preis mit der Höchsten der zu vergebenden Punkte.

- Begeisterung, Idealismus und Hingabe und passive Förderer allein hätten jedoch nicht ausgereicht, wäre der Kapelle die ersten 20 Jahre nicht in Dirigent Lachenmayer eine außergewöhnliche Persönlichkeit vorgestanden. Man wagte sich immer wieder an klassische Meister von Beethoven, Mozart, Weber bis hin zu Schubert und spielte flotte Weisen nach alter deutscher Marschtradition.

Im Januar 1929 löste sich die Kapelle vom Kath. Arbeiterverein und wurde unter der Bezeichnung „Musikverein Lyra“ selbstständig. Lachenmayer blieb der Kapelle als Dirigent erhalten.

Sieht man sich die alten Protokolle etwas näher an, fällt einem auf, dass auch damals die Kameradschaft nicht zu kurz kam. So ist immer wieder die Rede von geselligen Kameradschaftsabenden, Feiern, wie zum Beispiel im Fasching, Ausflüge in die näher Umgebung, aber auch Fahrten nach Füssen, Pforten oder nach Reutte in Tirol.

Trotzdem ging es manchmal hoch her: Einmal (oder vielleicht auch öfter?!) gab es stürmische Auseinandersetzungen und Drohungen vieler Musiker, aus der Kapelle auszutreten. Doch die Wogen konnten wieder geglättet werden, indem Vorstand und Dirigent energisch an die Beachtung der Vereinsstatuten und die bessere pflege der Kameradschaft appellieren.

 

1930-1950

In den Jahren 1933 bis 1946 musste die Kapelle viele Wandlungen über sich ergehen lassen. Der Musikverein Lyra wurde zur „Stahlhelmkapelle“ und schließlich zur „SA-Kapelle“. Der ursprüngliche Sinn, einer Kapelle der Volksmusik zu sein, war durch die politischen Verhältnisse verloren gegangen. Man wurde uniformiert und letztlich – offenbar mit Unbehagen – gleichgeschaltet.

Größere musikalische Veranstaltungen fanden während dieser Zeit nicht statt. Man gab kleine Konzerte und spielte hauptsächlich am Nationalfeiertag und zu den Kirchenfesten.

Während der Bombenangriffe auf Neu-Ulm verlor der Verein fast sämtliches Notenmaterial Notenmaterial und – bis auf fünf – alle Instrumente.

Kaum aber hatten sich die Lebensverhältnisse nach dem Krieg etwas normalisiert, sammelten sich wieder musikfreudige Männer um ihren alten Musikverein Lyra, um den Verein erneut aufzubauen.

Es waren größtenteils dieselben Männer (darunter Alois Huber, Josef Rothermel u.a.) wie 1919, die am 8. August 1946 beschlossen, wieder neu anzufangen. Leider mussten sie auf Dirigent Lachenmayer, der die ganzen Jahre hinweg treu zu seiner Kapelle gestanden hatte, verzichten, da dieser aufgrund schwerer Krankheit aus dem aktiven Musikerleben ausscheiden musste.

Selbstverständlich waren noch große Schwierigkeiten zu überwinden. Noten und Instrumente waren fast gar nicht beziehungsweise nur schwer zu beschaffen. Schließlich versuchte man mit Hilfe der Ulmer Kapelle „Harmonie“, mit einem kleinen Konzert sich wie der in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Im Oktober 1946 mussten die proben jedoch bereits wieder eingestellt werden. Alle Mitglieder des Vereins wurden als NSDAP-Mitläufer eingestuft und durften sich somit nicht öffentlich betätigen.

Erst im August 1948 konnte man wieder mit der Vereinsarbeit beginnen. Und erneut war es das katholische Werkvolk, das den Start ermöglichte als einer der amerikanischen Militärregierung unverdächtige Dachorganisation. Dem damaligen Stadtrat und späteren Ehrenvorsitzenden der Kapelle, Alois Gebhard, war es zu verdanken, dass mit einem kleinen Häuflein von gestreuten Musikern die Musikkapelle wiederaufgebaut wurde. 12 bis 15 Mann waren es, die nun unter Leitung des neuen Dirigenten Karl Becker ganz von vorn mit der Probenarbeit begannen.

Zu ehren des 1947 verstorbenen langjährigen Dirigenten Lachenmayer erhielt die Kapelle ihren neuen Namen: „Musikverein Lachenmayer“. Nach und nach verstärkte sich die Zahl der Musiker soweit, dass im November 1949 anlässlich des 30järigen Bestehens des Vereins sogar ein Konzert abgehalten werden konnte. Das erste seit Kriegsende!

 

1950-1970

Von nun an begann eine lebhafte Vereins- und Probenarbeit. Durch die Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen und Spenden aus der Öffentlichkeit wurden das verloren gegangene Notenmaterial wieder ergänzt und neue Instrumente angeschafft.

Im Jahr 1952 trat der Musikverein Lachenmayer bereits wieder 23mal, darunter mit vielen Standkonzerten, an die Öffentlichkeit.

Ab 1. März 1952 musste sich die Neu-Ulmer Bevölkerung wieder an einen neuen Namen ihrer Kapelle gewöhnen. Aufgrund eines Vorstandsbeschlusses erhielt der Verein den offiziellen Namen „Musikverein Neu-Ulm“.

Unter der vorbildlichen Zusammenarbeit des seit 1954 amtierenden Ersten Vorsitzenden Josef Rothermel und des Dirigenten Karl Becker konnte sich die Kapelle ihre bis zum Jahr 1933 erworbenen Leistungsfähigkeit auf dem Gebiet der Volksmusik wiedererarbeiten.

In dieser Zeit hat es Karl Becker verstanden, in unzähligen Proben und unter Hintenanstellen seiner persönlichen Wünsche aus seinen Musikern das Beste herauszuholen, um den hohen musikalischen Anforderungen zu genügen. Dank der persönlichen Opferbereitschaft aller Mitglieder konnte sich die Kapelle aber auch wirtschaftlich wieder erholen. Noten und Instrumente wurden gekauft und damit der Bestand weiterhin vergrößert.

Den Höhepunkt der Neuanschaffungen bildete jedoch der erstmalige Erwerb einer einheitlichen Musikerkleidung, die nach Meinung des Ersten Vorstands Josef Rothermel unbedingt notwendig war. Im Juni 1956 zeigte sich die Kapelle zum ersten Mal öffentlich in ihren neuen blauen Uniformen auf einem Marsch durch Neu-Ulm mit anschließendem Platzkonzert.

Das Jahr 1960 gab dem Musikverein einen besonderen Grund zum Feiern: Während des Festkonzerts anlässlich des 40. Geburtstags des Musikvereins Neu-Ulm im März 1960 überbrachte der damalige Oberbürgermeister Tassilo Grimmeiß ein besonderes Geschenk: die Ernennung des Musikvereins zur „Stadtkapelle Neu-Ulm“.

Seit dieser Zeit war die Kapelle aus dem kulturellen Leben in Neu-Ulm nicht mehr wegzudenken. Bei fast jeder größeren oder auch kleineren Veranstaltung in der Stadt und in der Umgebung konnte man die Männer der Stadtkapelle bei Marschmusik und Standkonzerten, aber auch bei Unterhaltungsmusik hören und sehen.

Die Generalversammlung der Stadtkapelle Neu-Ulm wurde 1965 mit Spannung erwartet. Hauptpunkt der umfangreichen Tagesordnung war die Wahl eines neuen Dirigenten.

Karl Beck, der sich viele Jahre als Leiter der Kapelle große Verdienste erworben hatte, konnte seinem Nachfolger eine Blaskapelle übergeben, die im Bereich des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes und darüber hinaus einen guten Namen hatte. Aufgrund seines Engagements der Kapelle gegenüber wurde er zum Ehrendirigenten ernannt. Auch erklärte er sich bereit, bei Abwesenheit des Ersten Dirigenten die Kapelle stellvertretend zu übernehmen.

Sein Nachfolger wurde Otto Hartmann, ein junger, konservatorisch ausgebildete Musiklehrer aus Maribor/Jugoslawien, der seit Beendigung seines Studiums in Neu-Ulm lebte.

1967 kam es zu einem bedeutenden Wechsel in der Vorstandschaft der Stadtkapelle Neu-Ulm. Als der amtierende Erste Vorsitzende Kurt Möring erklärte, er könne dieses Amt aus beruflichen Gründen nicht mehr länger ausüben, wurde Bürgermeister Heiner Metzger mit dieser Aufgabe betreut. Man hoffte, unter der musikalischen Leitung von Otto Hartman sowie der Führung des neuen Ersten Vorsitzenden, die bisher erreichte Leistungsfähigkeit der Kapelle weiter ausbauen zu können.

Einer der ersten Amtshandlungen von Heiner Metzger bestand darin, sich für die Stadtkapelle für ein neues Probelokal einzusetzen. Bereits im Mai 1967 konnte die Kapelle, die bisher in der Turnhalle von Neu-Ulm ihre proben abgehalten hatte, in ihr neues Probenlokal, der Aula der damaligen Realschule Neu-Ulm, heutige Fachoberschule, übersiedeln. Zusätzlich wurde ein Kellerraum zur Aufbewahrung der Instrumente und des Notenmaterials zur Verfügung gestellt.

Die große Feuerprobe hatte die Kapelle unter ihrer neuen Führung im Jahr 1969 anlässlich ihres 50jährigen Gründungsfestes zu bestehen. Neben diesem Geburtstag gab es in diesem Jahr nämlich noch zwei weitere Jubiläen zu feiern: die Stadt Neu-Ulm war vor 100 Jahren zur Stadt erhoben worden, und die städtische Freiwillige Feuerwehr von feierte ebenfalls ihr 100jähriges Bestehen. Eine große Sache also! Ein von der Stadt Neu-Ulm ins Leben gerufener Festausschuss organisierte untere dem Vorsitz von Heiner Metzger eine Festwoche, um dieses Ereignis gebührend u feiern.

Die Stadtkapelle veranstaltete unter Mitwirkung der Postkapelle aus Maribor, der Heimatstadt des Dirigenten Otto Hartman, und dem KSV Unterelchingen ein großartiges Jubiläumskonzert. Höhepunkt der Festwoche war allerdings das Bezirksmusikfest mit einem Festzug, dem größten, den Neu-Ulm bisher erlebt hatte. An diesem Festzug nahmen 35 Musikkapellen teil, darunter die Postkapelle aus Maribor, eine französische und eine amerikanische Militärkapelle sowie viele andere Vereine.

Die Stadtkapelle hatte sich extra zu diesem Jubiläum vier Fahnen in den Stadtfarben angeschafft; diese sollten von vier jungen, uniformierten Mädchen getragen und vier weitere Mädchen begleitet werden, der Stadtkapelle zusammen mit dem Schellenbaum vorangehen. Die Fahnengarde der Stadtkapelle Neu-Ulm unter der Leitung von Erna Zitzler war geboren. Der Festzug bewegte sich schließlich mit einer Länge von fast vier Kilometern durch die Straßen von Neu-Ulm. Was für ein Anblick!

 

1970-1990

Im August 1970 erwartete die Musiker eine böse Überraschung. Otto Hartmann stellte völlig unerwartet seinen Posten als Dirigent zur Verfügung. Als Grund gab er an, er könne sich einfach nicht mit dem immer schlechter werdenden Probenbesuch abfinden; Als alle Überredungskünste von Seiten der Vorstandschaft nichts nutzten, wurde das Amt mit dem Musiklehrer Stumpf neu besetzt. Eine kurzfristige Lösung, denn bereits 1973 trennte man sich wieder im gegenseitigen Einvernehmen.

Otto Hartmann, der dem Verein als Posaunist treugeblieben war, stellte sich daraufhin, mittlerweile als Musiklehrer bei der Städtischen Musikschule in Neu-Ulm angestellt, wieder als Dirigent zur Verfügung. Warum, das werden wir wohl nie wissen! Otto Hartmann betonte jedoch, er wolle von nun an andere Saiten aufziehen. Sie Proben wurden intensiviert, regelmäßige Registerproben wurden eingeführt.

Nun, der Erfolg ließ nicht langen auf sich warten: Im Jahr 1974 erspielte sich die Stadtkapelle Neu-Ulm unter Leitung von Otto Hartmann beim Wertungsspiel in Bellenberg in der Kunststufe (heute Höchststufe genannt) einen 1. Rang mit Auszeichnung!

Frank Rolf, Vergnügungswart des Vereins, hatte schon seit langem eine Idee. Warum sollte die Kapelle immer nur auf anderen Veranstaltungen spielen? Man könnte doch auch ein eigenes Bierfest mit Musik organisieren. Schließlich fand die Vorstandschaft Gefallen an dieser Idee; man tat sich mit den Ludwigsfelder Vereinen zusammen, und bereits im Juni1975 fand erstmals das Ludwigsfelder Kinder- und Stadteilfest statt. Für das Kinderfest waren die Ludwigsfelder zuständig, die Stadtkapelle sorgte für das leibliche Wohl und natürlich für die Musik.

Ab diesem Zeitpunkt wurde das Stadtteilfest jedes Jahr durchgeführt. Es wurde größer, immer beliebter und war bald nicht mehr aus dem Terminkalender wegzudenken.

Im Juni 1977 fand im Rahmen des 600jährigen Münsterjubiläums auf dem Platz vor dem Münster eine Aufführung mit Teilen aus der Feuerwerksmusik von G. F. Händel statt. Nahezu 500Musiker, die sich aus elf mitwirkenden Ulmer und Neu-Ulmer Orchestern – darunter die Stadtkapelle Neu-Ulm – zusammensetzten, spielten vor weit über 20 000 Zuhörern, die dichtgedrängt auf dem Münsterplatz standen, zur bengalischen Beleuchtung des Münsters. Diese Aufführung war ein beredetes Beispiel, wie durch idealistischen Einsatz vieler Gleichgesinnter ein Erlebnis zustande kommen konnte, das aufgrund seiner Einmaligkeit gleichermaßen bei den mitwirkenden Musikern wie auch bei den Zuhörern in besonderer Erinnerung bleiben wird.

1978 Ein neues Fest wird von der Stadt Neu-Ulm eingeführt, bei dem von allen Stadtteilen Neu-Ulms etwas beigesteuert wird. Die Stadtkapelle Neu-Ulm spielte zum Fassanstich dieses 1. Neu-Ulmer Stadtfestes, das seither alle Jahre wieder stattfand – natürlich unter Mitwirkung der Stadtkapelle Neu-Ulm, die jedes Jahr zum Frühschoppen für die Unterhaltung sorgt.

Heiner Metzger, seit 1970 auch Bezirksleiter beim Allgäu-Schwäbischen Musikbund, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, in seinem Bezirk den Nachwuchs zu fördern. Diesen Bestrebungen in seinem Amt als Erster Vorsitzender der Stadtkapelle Neu-Ulm sowie der Tätigkeit des Otto Hartmann als Musiklehrer hatte die Stadtkapelleeinen bis zu diesem Zeitpunkt nie gekannten zuwachse an jungen Musikern zu verdanken. 1979 konnte die Stadtkapelle Neu-Ulm bei ihrem 60 Jährigen Jubiläum eine Größe von 65 aktiven Musikern vorweisen und gehörte damit zu den größten Kapellen im Umkreis. Es war jedoch nicht nur die zahlenmäßige Größe: Otto Hartmann war es als Dirigent gelungen, auch den Musikkörper zu beachtlicher Größe heranzubilden.

Das Jahr 1980 sollte wider einen Meilenstein in der Geschichte des Vereins werden. Rückschauend betrachtet muss man feststellen, dass ihm das Jahr 1980 einige unvorhergesehene Veränderungen beschert hat.

So musste für den langjährigen Dirigenten Otto Hartmann, der sein Amt aus persönlichen Gründen niederlegte, kurzfristig nach einer qualifizierte Persönlichkeit gesucht werden, die in der Lage wahr, die nicht immer einfache Aufgabe des 1. Dirigenten des Stadtkapelle Neu-Ulm zu übernehmen. Bis man einen geeigneten 1. Dirigenten gefunden hatte erklärte sich der amtierende 2. Dirigent, Willi Schubert, einverstanden, die Kapelle stellvertretend zu leiten. Schließlich standen zwei Kandidaten als mögliche Nachfolger zur Debatte. Nach einem Probedirigenten entschieden sich die Musiker für Wolfgang Kleinschmidt, einem Schlagzeuger des Heeresmusikkorps 10 aus Ulm.

Der nächste Schock folgte daraufhin postwendend. Heiner Metzger erklärte, eine solche Entscheidung könne er nicht vertreten, und stellte seinen Posten als 1. Vorsitzender zur Wahl. Er war der Meinung, ein Wechsel in der Vorstandschaft sei auch für ein besseres Verhältnis zur Stadt Neu-Ulm angebracht. Sein Nachfolger wurde Ernst Moser, dessen erste Amtshandlung es war, seinen Vorgänger aufgrund seiner großen Verdienste für die Volksmusik, und speziell für die Stadtkapelle Neu-Ulm, zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen.

Im Mai 1980 wurde anlässlich der Landesgartenschau die neu gestalteten Glacisanlagen eröffnet, ein Ereignis, das dem kulturellen Leben in Neu-Ulm dienen sollte. Zum musikalischen Auftakt spielte die Stadtkapelle Neu-Ulm.

Um diese neuen Anlagen gebührend zu würdigen, beschloss die Stadt, künftig in den Sommermonaten Konzerte durch heimische Vereine zu veranstalten. Noch heute finden im Glacis während des Sommers Rockkonzerte, klassische Serenaden, Sonntagskonzerte von Bands, Kapellen und Chören und vieles mehr statt.

Am 22. November desselben Jahres stellte die Stadtkapelle Neu-Ulm ihren neuen Dirigenten der Öffentlichkeit vor. Bei einem Herbstkonzert zeigte Wolfgang Kleinschmidt, dass er die Kapelle bereits fest im Griff hatte. Die Musiker gaben unter seiner Leitung eine gelungene Melodiemischung zum Besten, die von Huldigungsmarsch bis zu den Erinnerungen an Zirkus Renz reichte. Mitgestaltet wurde dieses Konzert durch die Sängergemeinschaft Neu-Ulm. Ein guter Auftakt für Wolfgang Kleinschmidt.

1981 kommt für die Stadtkapelle Neu-Ulm ein weiterer konzertanter Programmpunkt hinzu. Im mai 1981 spielte sie erstmals auf dem Ulmer Paradekonzert in der Hirschstraße. Mittlerweile wird das Paradekonzert auf dem Eiermarkt in Ulm abgehalten, und die Stadtkapelle bestreitet jedes Jahr am Sonntag vor dem Nabada ihr Paradekonzert. Neben der eigenen Jahresfeier und dem Glacis-Konzert gehört nun auch das Paradekonzert zu den alljährlichen Konzertveranstaltungen der Stadtkapelle Neu-Ulm.

Bei der Jahresfeier im Januar 1982 durfte Heiner Metzger als Ehrenvorsitzender eine besondere Ehrung vornehmen. Alois Huber erhielt wegen 60jähriger Treue zum Verein die goldene Ehrennadel. Leider schied er ab diesem Zeitpunkt aufgrund Gesundheitlicher Beschwerden aus dem aktiven Vereinsleben aus. Am 18. September 1982 wurde Neu-Ulm zu einer klingenden Stadt. Über 1500 Musiker aus dem ganzen schwäbischen Land, vom Ries bis zum Bodensee sowie aus dem benachbarten Alb-Donau-Kreis, sorgten an diesem Samstagvormittag überall in Neu-Ulm bei Standkonzerten, Sternmärschen und anschließendem Großkonzert für frohen Klang zugunsten der „Kartei der Not“.

Karl Kling, Präsident des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes und Initiator dieser Veranstaltung, äußerste sich dazu gegenüber der Presse: „diese Anzahl von Musikern ist ein Beweis dafür, dass Begeisterungsfähigkeit und Idealismus auch in einer Zeit wie heute nicht verschüttet sind und die Faszination, die vom bläserischen Musizieren ausgeht, ungebrochen ist“.

Zur Generalversammlung 1985 legte langjährige Musikfreund und 1. Vorsitzender Ernst Moser dieses Amt nieder. Es sei ihm möglich, so erklärte er, gleichzeitig ein guter Musiker als auch ein guter Vorstand zu sein. Von einem dieser Ämter müsse er sich aus beruflichen gründen trennen. Nun, er hatte sich entschieden und blieb der Kapelle als Baritonrist erhalten. Sein Amt übernahm Gerhard Hölzel, Rechtsanwalt in Neu-Ulm.

Am 13. Mai 1985 fand ein Wohltätlichkeitskonzert unter dem Motto „Musik international“ statt. Mitwirkende waren Militärkapellen aus Deutschland, Kanada, Frankreich und den USA, die ihm Donaustadion von Ulm ihr Show-Programm vorführten. Die Stadtkapelle Neu-Ulm sollte als Auftakt neben der Big-Band Ulm einige Musikalische Stücke darbieten. Vor dieser Auftritt war den Musikern der Stadtkapelle etwas mulmig zumute: Würden sie neben den Geschulten Militärkapellen bestehen können? Einmarschieren – Ausmarschieren! Alle fanden, die Stadtkapelle konnte sich sehen lassen!

1988 war es soweit: Die Stadtkapelle Neu-Ulm verewigte sich auf Musikalische Weise. In den Herbstmonaten wurde ihre erste Kassette „Vom Donauufer“ aufgenommen. Die Kassette sollte das breite Repertoire der Stadtkapelle aufzeigen. Somit sind auf der Kassette traditionelle Märsche, volkstümliche Polkas und konzertante Werke ebenso zu finden wie moderne Samba-Rhythmen und Schlagermelodien.

Im Oktober 1988 wurde auch erstmals die Musikakademie in Markt Oberdorf für ein intensives Probenwochenenden aufgesucht. Gesamtproben – Registerproben – Tonbandaufnahmen – gemütliches Beisammensein! Alles, was die Musikakademie zu bieten hatte, wurde mitgemacht. Fazit: Dieses Wochenende war ziemlich anstrengen, machte sich aber bezahlt, was spätestens bei der Jahresfeier im Januar 1989 bemerkbar wurde.

Diese Jahresfeier stach wieder einmal von dem übrigen ab. Schließlich feierte man den 70. Geburtstag der Stadtkapelle Neu-Ulm. 70 ehrenvolle Jahre hatte sie bereits auf dem Buckel, doch war sie keineswegs ergraut, und müde war sie schon gar nicht. Da einem solch rüstigen Geburtstagskind auch ein würdiger Rahmen zur feierlichen Begehung des Jubiläums zustand, wurde der große Saal des Edwin-Scharff-Hauses in Neu-Ulm mehr oder minder in einen Ballsaal verwandelt. Die 45 Musiker und Musikerinnen unter Leitung ihres Dirigenten Wolfgang Kleinschmidt wollten bei diesem Konzert die Ganze Bandbreite ihres musikalischen Könnens darbieten. Erster Höhepunkt war wohl sicherlich das ungarische Streichquartett aus Zalaegerszeg, das extra anlässlich dieser Feier aus Ungarn gekommen war.

Als weitere Überhaschung wurde erstmals die stadtkapelleneigene Big-Band vorgeführt, die bewies, dass auch „Blasmusiker“ richtig rocken können. Der Auftritt unter Licht, Donner und Nebelschwaden wurde ein voller Erfolg. Weitere Auftritte sollten folgen.

Die Big-Band der Stadtkapelle Neu-Ulm war dann in diesem Jahr auch wirklich noch zweimal zu hören: bei einem Mittwochabend-Konzert in der Glacis-Anlage und bei einer Betriebsveranstaltung der Firma Reinz. Leider konnte die Big-Band aufgrund von Terminschwierigkeiten der Musiker nicht weiter bestehen.

 

1990-Heute

Im Jahr 1990 schwebte wieder einmal dunkle Wolken über der Stadtkapelle Neu-Ulm. Ein Dirigentenwechsel bahnte sich an. Wolfgang Kleinschmidt hatte es in den 10 Jahren seiner Tätigkeit als Dirigent der Stadtkapelle Neu-Ulm geschafft, stets das Beste aus ihr herauszuholen. So konnte unter seiner Leitung das ein und andere Mal Auszeichnungen bei Wertungsspielen erzielt werden. Auch auf dem Gebiet der Unterhaltungsmusik war es ihm gelungen, die Kapelle für moderne Rhythmen und Showeinlagen zu begeistern.

Leider war das Vertrauensverhältnis zwischen den Musikern und dem Dirigenten in der Letzten Zeit nicht mehr das Beste, so dass man sich schließlich im gegenseitigen Einvernehmen trennte. 1. Vorsitzender Gerhard Hölzel betonte zum Abschied, es sei ein Verdienst von Wolfgang Kleinschmidt, dass die Kapelle bei all ihren Auftritten, ob im Inland oder Ausland, an Ansehen gewonnen habe. Hans Reischmann, bisher 2. Dirigent des Vereins, übernahm solange die Stadtkapelle, bis ein Nachfolger für Wolfgang Kleinschmidt gefunden worden war.

Die Stadtkapelle als TV-Star: Anfang Mai 1990 wurde die Sendung „Jetzt red i“ des Bayerischen Rundfunks in Neu-Ulm gedreht. Der große Saal des Edwin-Scharff-Hauses wurde kurzerhand in ein Aufnahmestudio umgewandelt. Durch das Programm führte in bewährter Weise Carolin Reiber; für die musikalische Unterhaltung sorgte die Stadtkapelle Neu-Ulm. 

Vom 17. bis 21. Mai 1990 fand in Augsburg das 16. Bundesmusikfest des ASM unter dem Motto „Völkerverständigung, Freude, Freundschaft und Friede“ statt. Musikanten aus ganz Europa zogen klingend durch die Hauptstadt Schwabens und gaben dam ältesten traditionsreichstem Musikbund Deutschlands die Ehre ihres Besuches. Die Stadtkapelle hatte die Ehre, am Sonntag bei dem die Festtage abschließenden Fastzug den Bezirk 9 des ASM zu vertreten. Bei größter Hitze marschierten 135 Musikkapellen, Spielmannszüge und andere durch die Straßen von Augsburg und sammelten sich schließlich im Rosenstadion zum Gemeinschaftskonzert sämtlicher Kapellen.

Leider dauerte es fast ein Jahr, bis der Verein einen neuen Dirigenten gefunden hatte. Miklos Kallai hieß er, ungar und Leiter der Musikschule in Gerstetten. Ob er der geeignete Nachfolger war...? Nun, an sein ungarisches Temperament musste man sich sicherlich erst gewöhnen.

Auch in der Vorstandschaft fand zu dieser Zeit ein Führungswechsel statt. Gerhard Hölzel legte nach sechs Jahren den Vorsitz der Stadtkapelle Neu-Ulm aus Beruflichen Gründen in die Hände seines Nachfolgers Werner Zierlein, der bis zu diesem Zeitpunkt 2. Vorsitzender des Vereines gewesen war.

Dieses Mal hatten die Neu-Ulmer mit ihrer Dirigentenwahl keinen guten Griff getan. Nachdem sich im Laufe des Jahres 1991 immer größere Unlust unter Musikern breit machte und die Zahl der Aktiven rapide abnahm, trennte man sich im Februar 1992 kurzentschlossen von Miklos Kallai.

Ein Nachfolger war bereits gefunden: Ralf Ritscher, 25 Jahre jung und Musiklehrer an der Musikschule in Senden. „Was die Blasmusik angeht, so muss ich noch viel zu lernen“, sagte der aus dem Bereich der klassischen Musik kommende Dirigent, „aber ich bin sicher, dass ich es schaffen werde.“

Zu bewähren hatte er sich bereits kurze Zeit später beim Frühlingskonzert in Pfuhl am 10. April 1992, zu dem die Stadtkapelle Neu-Ulm eingeladen worden war. Im Großen und Ganzen ein gelungenes Konzert, bedenkt man die kurze Zeit, die der Dirigent und die Musiker hatten, sich aneinander zu gewöhnen. Umso besser lief daraufhin das Wertungsspiel in Unterelchingen: in der Oberstufe einen 1. Rang mit Auszeichnung!

Wieder einmal stand ein Abschied bevor. An der Jahreshauptversammlung 1992 legte Franz Wied, seit über 25 Jahren Finanzmeister des Vereins, eben dieses Amt nieder. Bereits ein Jahr zuvor hatte er aus gesundheitlichen Gründen sein Flügelhorn an den Nagel gehängt. Als Dankeschön für die langen Jahre, die er als Musiker und Kassierer dem Verein die Treue gehalten hatte, ernennte ihn die versammelten Musiker zum Ehrenmitglied der Stadtkapelle Neu-Ulm.

Am 12. September 1992 veranstaltete die Stadtkapelle Neu-Ulm erstmals ein eigenes „Feschtle“ auf dem Bahnhofsplatz in Neu-Ulm. Man hatte sich zu diesem Fest entschlossen, nachdem man im Vorjahr aus der Organisation der Ludwigsfelder Stadtteilfestes ausgestiegen war. An diesem Tag sah man die Neu-Ulmer Musiker einmal ganz anders: Es wurde gebrutzelt, gekocht, Bier ausgeschenkt, gekehrt, geputzt... Es Wurde nicht gerade zu einem großen Erfolg, aber ein Anfang war gemacht!

Beim zweiten Feschtle im darauf folgenden Jahr wollte man einiges besser machen. Um nicht wieder auf geliehene Verkaufsbuden zurückgreifen zu müssen, machten sich einige wackeren Handwerksburschen und –Mädels daran, unter der fachmännischen Führung von Otto Egli und Karlheinz Rau selbst drei schicke Hütten für die Stadtkapelle zu bauen. Diese Hütten sind nun der ganze Stolz des Vereins!

Nach der Sommerpause 1993 hieß es schon wieder einen Schreck auszustehen: Ralf Ritscher gab den Dirigentenstab ab. Es seien berufliche Gründer, wie er den versammelten Musikern versicherte, aber er müsse zu viel Zeit in die Arbeit für die Stadtkapelle stecken, dabei käme jedoch sein Profi-Saxophon-Ensemble, in dem er mitspielt, zu kurz. Er wollte die Profimusik jedoch nicht aufgeben. Schade, den Ralf Ritscher war ein junger, unkonventioneller Dirigent. Dankenswerterweise stellte sich unser Hans Reischmann sofort wieder als Leiter der Kapelle zur Verfügung, um die Proben im Hinblick auf das 75. Jubiläumsjahr fortzuführen.

 

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